Leserbrief zum Artikel „NRW fördert Ganztagsschule“, WN Nr. 89 vom 16.4.08

Na, das stelle man sich einmal in der „freien Wirtschaft“ vor: Da produzieren die Betriebe eines Unternehmens an vielen unterschiedlichen Standorten im Halbtagsbetrieb. Dann kommt ein unabhängiges Gutachtergremium und sagt: Was ihr da produziert erfüllt nicht die Ansprüche einer modernen Gesellschaft an eure Produkte. Gut, sagt da der Unternehmer, dann produzieren wir eben in Zukunft im Ganztagsbetrieb.

Hallo? Ist da noch jemand?

Die OECD-Studien haben nicht ergeben, dass deutsche SchülerInnen nicht lange genug in der Schule hocken. Sie haben ergeben, dass nicht gut gelernt wird, dass das Schulsystem nicht gut funktioniert und  dass es ungerecht ist, weil es durch frühe Auslese (nicht durch frühen Unterrichtsschluss!) die Forderung nach Chancengleichheit torpediert und soziale Ungleichheit zementiert. Solange die Auslese nach der 4. Klasse nicht aus der Welt ist, sind Maßnahmen wie die Einführung von Ganztagsschulen nur Sand in die Augen derer, die sich ihre BILDung morgens beim Bäcker kaufen.

Ich will damit nicht sagen, dass Ganztagsschulen nicht sinnvoll sein können. Sie sind nur einfach nicht die Antwort auf die Frage: Wie kann das Schulsystem gerechter gemacht werden?

„Eine Schule für Alle“, oder auch „Ein Gymnasium für Alle“, das wäre ein Ansatz. Alle ziehen möglichst lange an einem Strang, Schüler, Lehrer und Eltern. Ein Schulklima, das Wachstum fördert und nicht nach Selektion riecht. Jede/r bekommt die Unterstützung, die er/sie braucht.

Und das dann gern auch ganztags!

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