Leserbrief zum Artikel „Hasen-Frage trennt die Spreu vom Weizen“

Kein aufgeklärter Mensch wird bestreiten, dass die Art, wie wir uns sprachlich ausdrücken, etwas damit zu tun hat, wie wir denken. Wenn wir von Spreu und Weizen sprechen, meinen wir etwas Wertloses, das von etwas Wertvollem getrennt werden muss. Fatalerweise ist das genau die Einstellung, die hinter unserem fünfgliedrigen Schulsystemen steckt.

In anderen Schulsystem muss man nicht die Leistungsstarken von den Leistungsschwachen trennen (es ist sogar teilweise gesetzlich verboten), weil man versucht, jeden da abzuholen und individuell zu fördern, wo er steht. Diese Schulsysteme sind auch deshalb erfolgreicher als das unsere, weil die Verantwortlichen nicht „die Spreu vom Weizen trennen“ wollen, sondern sagen:

„Jeder ist wertvoll, und wir können es uns nicht leisten, unterwegs jemanden zu verlieren.“ Lasst uns nicht Menschen als Spreu, als Rest, als Abfall bezeichnen!