Di, 26/04/2005 - 23:00 — Cornelius Hüdepohl
Welchen Grund mag ein führender Sozialdemokrat wie Gerhard Schröder haben, sich in Berliner Landesangelegenheiten einzumischen, sich an die Seite der EKD zu stellen und sich für den verpflichtenden Religionsunterricht an Berliner Schulen einzusetzen? Wahrscheinlich ist es der gleiche Grund wie der, den mir ein münsterländischer Schulleiter einmal für den Umstand nannte, dass Schüler der Hauptschule (!) in NRW in den Klassen 5 und 6 keinen Werkunterricht haben, andererseits aber zwei Stunden Religion pro Woche: „Die wissen dann, wo sie hingehören.“ Soll heißen: Wer die Existenz eines „Oben“ und eines „Unten“ in der Religion akzeptiert, wird offensichtlich auch das Oben und Unten in der Gesellschaft und seine ihm zugewiesene Rolle klaglos akzeptieren. Oder wie John Lennon es ausdrückte: Keep you doped with religion, film, sex, and TV (and you think you're so clever, and classless, and free). Ach ja, was waren das für Zeiten, als auch Sozialdemokraten noch von der Trennung von Kirche und Staat träumten ...