Stockholm: Für den Weg vom Viking-Terminal zum Bahnhof gönne ich mir ein Taxi. Der Fahrer ist Neuschwede, was sowohl an seinem Äußeren wie auch an der Lizenz am Armaturenbrett unschwer zu erkennen ist. Auf meine Frage, wie lange er schon in Schweden lebe, antwortet er, dass er mit zehn Jahren zur Zeit des Krieges zwischen Iran und Irak mit seinen Eltern nach Schweden gekommen sei und seit 17 Jahren hier lebe. Ich frage ihn, wie er mit dem schwedischen Schulsystem zufrieden ist, schließlich habe ich mich in der vergangenen Woche mit fast nichts anderem beschäftigt. Er antwortet, dass er sehr zufrieden sei. Auf meinen Hinweis, dass Leute wie er im deutschen Schulsystem meistens aussortiert werden und nicht die gleichen Chancen haben wie „Eingeborene“ (die ja auch nicht alle die gleichen Chancen haben), antwortet er, dass er auch aussortiert worden sei. Ich horche auf. Dann erzählt er, dass er nach seiner Ankunft ein Jahr lang eine Extraklasse habe besuchen müssen, um Schwedisch zu lernen. Aber dann sei er mit den anderen zusammen geblieben. Bis zum Ende des Gymnasiums, dann habe er Maschinentechnik studiert. Da er in seinem Beruf als Ingenieur noch keinen Job gefunden hat, fährt er Taxi. Davon könne man auch leben, sagt er. Was ich gern glaube, als ich am Bahnhof 146:- skr zahle und mich auf die Bahnreise in meine Heimat der ungleichen Bildungschancen begebe.